Die erfolgreiche Digitalisierung von Unternehmensprozessen ist nur mit einer adäquaten IT-Architektur möglich. Weltweit tun sich Banken, Versicherungen, Einzelhandels- und Konsumgüterunternehmen jedoch schwer damit, so das Ergebnis der Studie „Mehr Tempo, weniger Altlasten: IT-Architektur im digitalen Zeitalter“. Die von der internationalen Managementberatung Bain & Company erstellte Analyse basiert auf einer Umfrage unter 150 IT-Verantwortlichen in Unternehmen aus Europa und den USA. So sehen rund zwei von drei Bankenvertretern in den kommenden Jahren die Gefahr einer wachsenden „technischen Schuld“, weil die bestehende IT-Struktur noch nicht optimal für die Digitalisierung vorbereitet ist. Aus dem Bereich Versicherungen ist rund jeder zweite Studienteilnehmer dieser Ansicht, im Handel und Konsumgütersektor sind 40 Prozent der Befragten dieser Ansicht.

IT-Abteilungen stehen vor großen Herausforderungen
Bain & Company zufolge gibt es etwa bei Banken Defizite bei der vollautomatischen Abwicklung der Prozesse, bei Versicherern und im Handel bildet das nahtlose Omnikanal-Erlebnis den Schwachpunkt. Die IT-Verantwortlichen der Unternehmen stehen generell vor der Herausforderung, Budgetengpässen zum Trotz ein stringentes Maßnahmenpaket für die durchgängige Modernisierung der bestehenden IT-Architektur zu schnüren. Vielmehr sei es so, dass sie das Budget zwischen Innovationen und der Pflege alter Systeme aufteilen müssen, heißt es in der Studie. Nur rund jeder fünfte Euro fließe in die Optimierung der bestehenden IT-Anwendungen der Unternehmen.

Eine weitere Herausforderung für die IT-Abteilungen stellen laut Bain & Company die steigenden Betriebskosten dar: 59 Prozent der Teilnehmer verzeichneten in den vergangenen drei Jahren einen Kostenanstieg, 77 Prozent erwarten dies in den kommenden drei Jahren. Im Handel meinen dies sogar 88 Prozent der Befragten. Insgesamt stehen die Unternehmen vor zwei Herausforderungen: Zum Einen müssen sie den neuen Kundenbedürfnissen mit digitalen Produkten und Dienstleistungen entsprechen, zum Anderen kostet die Entwicklung und Umsetzung in bestehenden IT-Strukturen viel Zeit und Geld.

Studienautor Ingolf Zies zufolge wird die IT-Infrastruktur künftig „wie Strom aus der Steckdose“ kommen und überall und jederzeit verfügbar sein. Möglich mache dies die stärkere Nutzung von Cloud-Diensten. Damit eng verbunden ist eine Verlagerung von Anwendungen, Plattformen und auch Sicherheitslösungen in die Datenwolke. Dabei spielen so genannte as a Service-Konzepte eine wichtige Rolle, da die Unternehmen auf diesem Wege ihre IT-Architektur gleichzeitig standardisieren und beschleunigen können, so Zies. Er geht davon aus, dass sich der Markt für Platform as a Service-Lösungen sich bis 2019 auf ein Volumen von 23 Milliarden US-Dollar verdoppelt.

Acht Kernbereiche der Digitalisierung
Basierend auf diversen Kundenprojekten und Studien hat Bain & Company 20 Thesen zur Zukunft der IT-Architektur aufgestellt, die sich in acht Bereiche unterteilen lassen. Sie reichen von der Infrastruktur über Plattformen, Sicherheit und Anwendungen bis hin zur Datenanalyse. Die Idee dahinter: Je nach Dringlichkeit können Unternehmen einen dieser Bereiche aufgreifen, um die IT-Architektur im laufenden Betrieb entsprechend der Dringlichkeit nach und nach zu optimieren. Neben dem Themenkomplex ‚Hochgeschwindigkeitsarchitektur’ stellen ‚Sicherheit’, ‚Daten’ sowie Anwendungs- und Entwicklungsplattformen’ drei weitere der acht definierten Bereiche dar. Eine wichtige Rolle spielt auch der Themenkomplex ‚Kanäle und Endgeräte’, denn die Omnikanal-Fähigkeit spielt laut Bain & Company eine wichtige Rolle, da die Endkunden die Digitalisierung über ihre Endgeräte erleben. Bis 2020 wird die Zahl denkbarer Geräte explosionsartig auf rund 35 Milliarden Geräte wachsen – auf jeden Erdbewohner kämen dann fast fünf Geräte.

Die Anforderungen an eine moderne IT-Architektur steigen damit, denn der reibungslose Wechsel zwischen einer wachsenden Zahl von Kanälen und Endgeräten wird laut Studie künftig unabdingbar. Immerhin rund jede dritte Bank kann derzeit die durchgehende Omnikanal-Fähigkeit vorweisen und profitiert davon, den Kunden passgenaue Informationen liefern zu können. Viele Banken orientieren sich bei der Ausgestaltung von Kundenschnittstellen inzwischen nach den Möglichkeiten und Grenzen von Tablets und Smartphones. Ein Beispiel stellt laut Studie die Authentifizierung per Fingerabdruck innerhalb einer App dar – ein mittlerweile gängiges Verfahren.

Zum sechsten Bereich ‚Anwendungen’ gehört auch die zunehmende Nutzung von Microservices – die Aufspaltung komplexer Anwendungen in einzelne Bereiche. Die Folge: Was sich auslagern lässt, wird ausgelagert, so die Überzeugung von Bain & Company. Im siebten Bereich ‚Infrastruktur’ bildet der Abschied vom eigenen Rechenzentrum das zentrale Thema. Laut Studie wird die Cloud sich als Infrastruktur des digitalen Zeitalters durchsetzen. Rechenleistung wird damit jederzeit und an jedem Ort verfügbar. Als achten Bereich hat Bain & Company das Thema ‚Integration’ definiert. Der Studie zufolge ist mit einer Abkehr althergebrachter Systemintegrationen mit so genannten Enterprise Service Bus hin zu einer wesentlich schlankeren Integration über Microservices zu rechnen.

Studie belegt Potenzial für Konzepte wie FinGOAL!
Nach Einschätzung der Unternehmensberatung sollten die Führungsebenen der Unternehmen die Weiterentwicklung der IT-Strukturen als Top-Priorität behandeln, da dies die Position der Unternehmen im Zuge der digitalen Revolution stärkt. Hiervon – und insbesondere von einer zu erwartenden Auslagerung von Microservices, der wachsenden Bedeutung Cloud-basierter Anwendungen und den steigenden Anforderungen an die Omnikanal-Fähigkeit dürfte auch FinGOAL! profitieren, ein Beratungstool für Banken. Es dient als digitaler Beratungsleitfaden und erleichtert den Prozessablauf bei der Beratung, – etwa, indem alle relevanten Daten erfasst und damit einhergehend die Ziele und Wünsche des Kunden besprochen werden. Mit Hilfe diverser Rechenmodule kann der Berater im Gespräch Bedarfslücken in den Bereichen Vorsorge und Absicherung ermitteln und Lösungen vorschlagen. Die App ist sowohl stationär als auch unterwegs nutzbar und wird individuell an die Banken angepasst. Sie erfüllt zudem die neuen Standards, die nach Einführung der DIN Norm zur Beratung von Privathaushalten gelten werden. Über FinGOAL! erhalten Banken ein Tool, mit dem sie die Umsetzung eigener IT-Konzepte für den Beratungsprozess effizient und kostensparend auslagern können.